Moin - wo geiht?

Das Konzept ist ungewöhnlich. Nicht etwa folkloristisches Liedgut wie "Dat du mien leevesten büst" erklingt, wenn "tasstee" musikalisch frisch einschenkt. Schließlich ist Gerhard Breier (Gitarre, Gesang) im Jazz und Bossa-Nova-Bereich zu Hause. "The Girl from Ipanema" in niederdeutscher Sprache - geht denn das? Es geht - das hat "tasstee" bereits mit seinem erfolgreichen Debüt im Rahmen der Plattdeutschen Kulturtagen 2004 und diversen anderen Auftritten - etwa beim Plattart-Festival in Oldenburg oder im NDR-Hörfunk bewiesen. Begleitet wird Gerhard Breier von Dr. Werner Loll am Vibraphon sowie von Kontrabass und - bei Gelegenheit - Schlagzeug. Zu hören gibt es Musik mit neuen - ausschließlich niederdeutschen - eigenen Texten, die sich vergnüglich zumeist weit vom Original entfernen: Nicht etwa eine reizvoll in den Hüften federnde Schöne - wie in Antonio Carlos Jobims Jazz-Samba-Klassiker "The Girl from Ipanema" - wird da besungen, die "tass-tees" Version mit dem Titel "De Deern vun Eckernföör" fällt da mit ihrem "appeldwatschen Gang" doch etwas bodenständiger aus. Wie gut, dass es da noch die Borbyer Seite mit "seute Deerns und smucke Fruunslüüd" gibt. Derart von spaßigen Texten sensibilisiert - aus dem Beatles-Evergreen "And I love her" wird kurzerhand "Tomindst vun achtern" - lotet "tasstee" den Einfluss der plattdeutschen Lebensart und Mentalität im Allgemeinen und von Heink Flünk im Besonderen auf die Entwicklung der Geschichte der Popularmusik aus.

Wenn auch anfänglich rigoros vergeblich bemüht, mangelnde Kenntnisse jener nicht nur der sogenannten hochdeutschen Sprache Unmächtigen ins Stolpern bringende Schreibweisen des ihrerzeit als vermeintlich einziges gesellschaftsfähiges geltendens Idiom mit phonetisch bedingten Wahrnehmungsprozessen ursächlich in die Nähe etwa der speziellen Phänomenologie der Auslautverhärtung zu lenken, fügte man sich schließlich dem traumatisch prädestinierten Schicksal: Das aktive Sprechen wurde zugunsten des passiven Hörens eingestellt - was im nachhinein wohl durchaus zu Recht positiv als Initialzündung für neue Bedarfshorizonte gewertet werden darf: Neue geordnete Klangwelten mussten über das Fehlen des Wohlklangs selbst gesprochener Satzmelodien mehr oder weniger leidlich hinwegtrösten.
Das Begnügen mit dem halben Genuss hat nunmehr ein Ende: Jetzt gesellen sich die Harmonie der niederdeutschen Sprache und musikalische Welten auf synergetische Weise in einem Programm mit gehobener Unterhaltungsmusik UND Texten "op Platt" zueinander: "Na, dat ward 'n scheun‘ Tass Tee!"
(kurz und) op platt :
He hett al as lütt Jung platt snackt - mit sien Modder. Aver mit de Schooltied wär dat gau vörbi mit‘t Snacken. Nu hett Gerd Breier Platt wedder entdeckt för sien Musik. Un so warrt ut de Bossa-Nova-Klassiker "The Girl from Ipanema" "De Deern vun Eckernföör", un de Beatles kümmt mit "Dat deiht weh" ("Yesterday") to Wort.